Manchmal muss das einfach sein. Ein Buch, welches in der Zeit spielt, in welcher ich geboren wurde bzw. ganz jung war. Das bringt mir einige Highlights: Erstens erfahre ich so mehr über die Art und Weise des Lebens meiner frühesten Jugend. Es hilft mir sogar die Familiengeschichte oder meine Eltern besser zu verstehen.
Da wird – als Beispiel – während der Geschichte um die tote Bäuerin im Südtirol der amerikanische Präsident JFK in seiner Limousine erschossen und – auch wenn die Nachrichten dazu nur schleppend reinkommen – die ganze Welt ist schockiert und der Vater unserer Protagonistin beordert seine Tochter umgehend aus Mailand nach Hause, weil er nach dem Attentat Ausschreitungen in der Grossstadt befürchtet.
Oder die Dorfjungend: Wunderschön beschrieben wie junge Menschen, ohne Handy, abends abhängen. Wenn wir bisher gedacht haben, das wäre alles sehr gesittet und unschuldig abgegangen, könnte man bei der Lektüre dieses Buches andere Eindrücke erhalten.
Oder die Ermittlungsmethoden. Mehr Spürnase als Technik. Mehr Intuition als Spurensicherung. Laufen, fahren und besuchen – anstatt telefonieren oder Videokonferenzen.
Die Geschichte um die tote, ausländische (!) Ziegenbäuerin im Passeiertal spielt eigentlich eine Nebenrolle. Die ganze Geschichte eingebettet in die damalige Zeit und das damalige Denken der Menschen ist das erfreuliche Resultat dieses Buches.
Man merkt, dass die Autorin Gianna Milani (die sich nur so nennt und in Wahrheit eine deutsche Autorin ist, die sich für das Südtirol und dessen Geschichte interessiert) weiss, worüber sie schreibt. Laut Klappentext träumt sie von einem «Häuschen in Norditalien». Bis dahin schreibt sie Bücher. Wenn sie die Reihe um die Hobbyermittlerin Mara Oberhöller und den Commissario Tasso so erfolgreich weiterführt, könnte sie sich vielleicht bald einmal auf dem Tiroler Immobilienmarkt umsehen…
Kaufempfehlung: Ja. Als Ausflug in die eigene Jugend (oder in jene der Eltern…) sehr empfehlenswert.